Mit Morgenroutine in Achtsamkeit zum Glück 1

Meine Morgende sind wie verwandelt, seitdem ich die Morgenroutine für mich entdeckt habe – und achtsam den Tag beginne. Wobei es „die“ Morgenroutine glücklicherweise gar nicht gibt. Denn wie genau welche Methoden für jede oder jeden am besten ist, ist individuell. 

Der erste Grund, aus dem ich meine Morgenroutine schätze: Ich wollte und musste meinen Kopf entrümpeln. Ich war erschöpft und zerstreut – also war für mich klar, dass ich weniger Reize, weniger Ablenkung und weniger Unruhe in meinem Leben brauchte. Ich spürte eine mir noch unbenannte Leerstelle in meinem Leben, die mich am Glücklichsein hinderte. Doch das Dauerfeuer an Informationen und Geschwindigkeit hinderte mich daran, diese Leerstelle auszumachen und zu benennen. Bis ich dahinter kam, dauerte es eine Weile. Aber irgendwann ahnte ich, was für mich falsch lief und was ich für mich tun konnte, um herauszukommen. Und ich wusste auch, dass das nur der erste Schritt war, den ich gehen musste. Der Weg, achtsam eine Morgenroutine einzuführen, war nur der Beginn.

Ich erkannte, dass für mich vor allem Reizüberflutung und Geschwindigkeit pausenlos unter Druck setzten. Und dass folglich gerade Internet und Smartphone am Morgen für mich das reinste Gift sind. Genau das war es nämlich, das mich früher nach dem Aufstehen empfing: Smartphone, erste Nachrichten im Netz, Twitter, Facebook. Das Problem für mich: Es sind Meinungen von außen. Vor allem so ziemlich alles, was in den sozialen Netzwerken herumgeistert, ist persönliche Meinung. Was aber, fragte ich mich, habe ich mit all dem zu tun? Eigentlich wollte ich doch nur meine Ruhe haben, in Ruhe wach werden, in Ruhe meinen Kaffee trinken – doch diese vielen hauptsächlich persönlichen Meinungen und Ansichten hatten mit mir doch gar nichts zu tun. Es war ein endloser Strom.

Wenn ich mich selbst als ein Glas voll mit kaltem, klarem Wasser sah, kippten mir da wildfremde Menschen ihre Zutaten dessen, was sie für richtig, wichtig und mitteilsam hielten, in mich hinein. Zunehmend kam ich mir bereits am frühen Morgen mehr zugemüllt vor als in irgendeiner Weise wach, klar und vor allem gut gelaunt. Meine eigenen Gedanken kamen gar nicht dazu, sich zu entfalten, weil ich mir sofort über Meinungen anderer Meinungen bilden sollte. Das stresste mich.

Ich hatte eine tiefe Sehnsucht nach etwas ganz Einfachem: Dem Morgen und mir. Sonst nichts. Er war schon da, und es lag an mir, mich mit ihm in Verbindung zu setzen. Womit ein wichtiger Impuls benannt ist: Verbindung. Resonanz. Es ging mir nicht einfach ums Wachwerden. Sondern um eine Verbindung zwischen mir und der Welt, in die ich gerade hineinerwacht war. Eine Welt, wie sie ist, wenn man aufwacht, ohne allerlei Hilfsmittel zur Hand zu haben. Ohne Meinungen, Ansichten und Nachrichten zu lesen. Ohne gleich auf den Business-Zug aufspringen und sich als Erstes mit den neuesten Posts aus dem eigenen Geschäftsfeld für den Tag zu prägen. Für mich war und ist das alles Fremdsteuerung.

Dabei ist all das pausenlose Gerede nicht die Welt. Es ist ein pausenlos sendender und produzierender Kanal, nicht mehr. Die Menschen waren nicht in meinem Zimmer, gehörten nicht in mein Leben, gehörten nicht zu mir. Warum also befasste ich mich immer mit ihnen und ihren Belangen?

Im Gegensatz dazu ist diese Welt an einem Morgen dabei vor allem leise und in erster Linie einfach nur da. Es ist meine direkte und unmittelbare, unverfälschte Umwelt, ohne Zutun von außen. 

Ohnehin mein favorisierter Morgen. Ich fürchte mich vor Nachtgästen, die mich am Morgen mit Konversation in Beschlag nehmen, kaum dass ich in den Flur trete. Ich liebe Konversation. Morgens jedoch gibt es für mich nur eine Idealkonstellation: Der Morgen und ich. 

Das Besondere am Morgen ist, dass er ja gar nichts will und verlangt. In sozialen Medien schreit alles nur ununterbrochen nach Aufmerksamkeit. Nach meiner Lebenszeit. Meinen Gedanken und Gefühlen. Ich finde das höchst übergriffig. Es geht um meine Ressourcen, und die möchte ich gar nicht an Hinz und Kunz vergeuden, nur weil sie oder er Tausende Follower hat oder ein journalistisches Medium mit Ruhm um Einfluss ist. Ich möchte selbst entscheiden, wann ich die Posts meiner Familie, Freunde und Bekannten lese. Sie alle können warten. Es geht um mich, nicht um sie und ihre Belange.

Der Morgen ist einfach nur da. Das finde ich befreiend. Mit genügend Zeit habe ich die Gelegenheit, mich morgens an den Tag anzudocken. Alles andere stört da nur. Aber achtsam eine Morgenroutine auszuführen, fand ich charmant und logisch. Und friedvoll.

Dass deshalb das Internet und vor allem konsequent jegliches Soziale Netzwerk aus meinem Morgen verbannt wurde, war für mich nur logisch – da war ich mir einer Morgenroutine selbst noch gar nicht bewusst. Das Tempo des Geredes war ich losgeworden, und damit auch das Gefühl, ständig eine Meinung und Ansicht einnehmen zu müssen. Soziale Netzwerke sind vor allem reaktiv. Für mich aber sollte der Morgen gar nicht reaktiv sein. Deshalb war auch der Versuch, stattdessen in einem Buch zu lesen, nicht erfolgreich. Denn auch da drängte etwas von außen auf mich ein. 

Erst die Morgenroutine brachte die Wende, mit dem ich lernte, achtsam zu sein. Es veränderte den Blick auf den Morgen, auf mich und auf die Verbindung, die wir jedes Tag erneut eingehen. Oft habe ich von diesem Morgenjournal als  „Power-Tool“ gelesen – meiner Ansicht Nacht die dümmste Bezeichnung mit der dümmsten Ausrichtung, der Selbstoptimierung hin zu mehr Einsatzfähigkeit nämlich. Genau das ist für mich das Morgenjournal nämlich nicht.

Was es genau ist, werde ich in folgenden Artikeln beschreiben.

Gedankenzirkus

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