Piratenpartei bereit zum Kentern oder: Demokratie als App

„Klarmachen zum Ändern!“ lautet der Slogan der Piratenpartei; dabei schien das Entern gemeint gewesen zu sein. Das Entern der etablierten Politik, der wahrlich verkrusteten Parteien bis zur Umdeutung dessen, was Demokratie zu sein habe. Landtage wurden geentert, nun droht das Kentern. Auf gerade einmal 2 % bringen es derzeit die ehemaligen Überflieger noch in Umfragen. ...

Großmaul Steinbrück – vom Ende eines ersehnten politischen Stils

Als Alternative zu Angela Merkel war Peer Steinbrück von der SPD eigentlich zunächst eine gute Wahl: Mit seinem völlig anderen Politik- und Redestil mit Hang zur klaren Kante und klaren Worten sollte er den Bundestagswahlkampf 2013 für die SPD entscheiden. Doch sein Versagen, das sich im jüngsten ZDF- Politbarometer zeigte, schadet nicht nur ihm und der ...

Der erschöpfende Zwang zur eigenen Meinung

Unbehagen ist ein akademischer Begriff. Aber anders ist das Gefühl nicht zu greifen, das einen immer wieder umfängt, wenn die “öffentliche Meinung” sich aufdrängt und sich selbst die Frage zu stellen beginnt: Wie stehe ich eigentlich dazu? Unbehagen, weil man nicht recht weiß, wie man dazu stehen soll. Sich den Hysterischen anzuschließen, die knopfdrucks nach ...

Vom Zerschellen der Träume – und warum wir erst recht träumen müssen

Das neue Wort für das Zerschellen von Träumen. Obamern. Was böse klingt, beschreibt eine Gefahr: Stets sind es Hoffnungen, Visionen und große Ideen, die Menschen faszinieren, gar mobilisieren. Sie setzen gesellschaftliche Kräfte frei, die größer sind als man selbst und die einem kollektiven Wunsch nach Gemeinsamkeiten entspringen. Sie beschwören den Glauben in Verbesserung, Wiedergeburt, Erneuerung. ...

Bedrohte Tugenden und Begriffe: Stil

Zeiten gab’s, in denen „politischer Stil“ Inhalt und Maßstab hatte. Es gab Dinge, die man zu tun hatte und Dinge, die man zu unterlassen hatte. Ein Wertekanon, der vieles transportierte: Vertrauen. Vertrauen in die politischen Akteure, deren Handeln eine Richtschnur des Anstands besaß. Vertrauen in das politische System, das auf die Einhaltung des ehernen Wertekanons ...

Partition P: Parallelwelt Priester, Papst und Päderasten – Kirche, Kindesmissbrauch, Klüngel

Inmitten unserer Orte stehen sie, die Kirchtürme. Als Symbol christlichen Glaubens mit all seinen Werten und Tugenden verkünden sie mehr als religiöse Tradition, sondern auch Verankerung inmitten unserer Gesellschaft. Die Kirche hat den Anspruch, Mittelpunkt zu sein, unter uns allen zu sein, Orientierung zu geben. Die Kirche: Wie eine Festplatten-Partition? Die Missbrauchsfälle der letzten Zeit ...

Scham – Eine bedrohte Tugend oder: Käßmann-Rücktritt alles Käse?

Aufgeben heißt verlieren. So knapp könnte man die Einstellung formulieren, die sich hinter vielen Handlungen und Meinungen verbirgt, die sich oft in „der öffentlichen Meinung“ widerspiegeln. Dabei wäre bereits der Begriff „aufgeben“ ein Irrtum. Denn: Was gibt es ständig zu gewinnen? Letztlich scheint allgemein darum zu gehen: Verlust zu verhindern, um so einen Sieg davonzutragen. ...

Würde – Eine bedrohte Tugend oder: Unser täglich Hartz IV gib uns heute

Überraschung: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Nicht ohne Grund beginnt mit diesen Worten das Deutsche Grundgesetz, und man sollte annehmen, dass, einer logischen Hierarchie folgend, alles Nachstehende sich diesen Worten und Werten unterordnet. Die Politik indes nimmt es damit nicht so genau und musste erst vom Bundesverfassungsgericht mit dem Urteil vom 9. Februar 2010 ...

Rechts, links, Mitte – oder was?

Politische Lager haben sich stets gebildet. Und stets haben sie versucht, sich dem sogenannten Wahlvolk begrifflich zu verorten. Das schaffen am besten einfache Begriffe, deren Sinngehalt in ein bis zwei Silben treffend ausgedrückt zu werden vermag. Auf diese Weise gibt es sie, die Strömungen links, rechts, Mitte. Jüngst stolpert auch ein weiterer Begriff hinzu: Bürgerlich. ...

Die Stimmlosigkeit der Angepassten

Bald ist 1. Mai und mit ihm der Tag der Kundgebungen, Proteste, Ausschreitungen. Jüngst machten Warnungen vor Schwarzmalerei und Panikmache die Runde, vor allem, weil Gesine Schwan öffentlich soziale Unruhen befürchtete – womit sie nicht allein war. So unpassend ihre Worte und die der anderen Warner auch waren:Warum herrscht solch Angst vor „sozialen Unruhen“? Das ...