Dr. Ex – Wie Schavans Entzug der Doktorwürde der Universität nützt

Einst rollten Köpfe, heute fallen Doktortitel, wie der Fall der entzogenen Doktorwürde wegen systematischer und vorsätzlicher Täuschung von Bildungsministerin Annette Schavan zeigt. Die öffntliche Meinung ist klar: Wieder ein Politiker, der getrickst hat und nicht hält, was er verspricht. Dass jedoch auch die Universitäten und Akademiker auf den Prüfstand gehören, die sich angeblich „täuschen“ ließen, ...

Kassengespräche – beim Bezahlen zum Reden gezwungen

Die muffige Kassiererin, die höchstens den zu zahlenden Betrag murmeln kann, ist längst ein Mythos vergangener Tage – inzwischen verwickeln sie die Kunden beim Bezahlen vielmehr in Kassengespräche, ob die nun wollen oder nicht. Fragenkataloge nach Treuepunkten, Kundenkarten und allerlei Absurditäten machen’s nötig. Das war’s dann wohl mit der Ruhe beim Bezahlen. Vorbei die Zeiten, ...

Routinerettung, das bessere Wort des Jahres als Rettungsroutine

Statt Rettungsroutine müsste Routinerettung das Wort des Jahres 2012 sein. Anstatt das stetige Bemühen, die Finanzsysteme zu retten zu benennen, steht Routinerettung für das Bemühen jedes Einzelnen, täglich im Kleinen wie im Großen seine Routinen im Leben vor Veränderungen zu retten. Es betrifft uns Besitzstandswahrer, die wir uns bedroht fühlen und die wir uns ein neues ...

Der böse Leser – ein Pamphlet gegen das Gejammer über das Zeitungssterben

„Der Leser ist schuld am Zeitungsterben!“ Das scheint derzeit aus Redaktionen und Verfechtern der guten alten Zeit zu schallen. Mehr noch: Wäre er, der Leser nicht, gingen keine Tageszeitungen insolvent, müssten keine Zeitungen eingestellt werden. Der Leser verantwortet, dass er einfach nicht so will wie die Verlage, die Redaktionen, die Journalisten und Redakteure und ihrer ...

Sprachklischees und schlechte Texte: Die Berichterstattung über den ESC

Alljährlich ist es ein Fest aller: Wo die eine Gruppe begeistert und die andere angewidert ist, dürfen Journalisten und Redakteure endlich wieder verächtlich ihre Nase rümpfen. Der Eurovision Song Contest gibt ihnen Gelegenheit zum Hohn und Spott. Dabei zählt Tempo. Da bleibt keine Zeit für gute Texte. So liest man alljährlich die gleichen müden Sprach- ...

Schöne scheußliche Tageszeitung – eine Stilkritik

Die gute alte regionale Tageszeitung: Eigentlich hätte sie es verdient, gemocht zu werden, wenn sie nicht so viel falsch machen würde: Vornehmlich als regionale Stimme bringt sie ins Haus, was im eigenen Ort geschah, geschieht, geschehen wird. Diese Verortung ist wichtig und nötig, da die besprochene Wirklichkeit den gleichen übersichtlichen Raum teilt wie man selbst. ...

Die Mär vom Löschen und anderen Verschiebungen

Das waren noch Zeiten, als das Wort „Löschen“ noch hielt, was es versprach: Das Entfernen von Inhalten. Ohne Wenn und Aber. Der Begriff war da eindeutig und klar. Nun ist das anders. „Löschen“ entfernt zwar, aber nur aus der Anzeige. Gesichert sind Löschungen immer noch, zumindest bei Facebook. 3 Jahre lang speichert Facebook „gelöschte“ Bilder. ...

Das chice Denken

Möglicherweise wird Denken derzeit chic, so eine Meinungstendenz vor dem Hintergrund der großen Krisen und Umwälzungen. Diese Annahme ist Begleitmusik des zeitgleichen Starts zweier Philosophie-Magazine in Deutschland und dem nun nachweisbaren Erfolg. Doch möglicherweise ist diese Annahme einfach falsch. Denn sie unterstellt, dass Denken lediglich eine Reaktion auf Krise und Katastrophe sei – was das ...

Der erschöpfende Zwang zur eigenen Meinung

Unbehagen ist ein akademischer Begriff. Aber anders ist das Gefühl nicht zu greifen, das einen immer wieder umfängt, wenn die “öffentliche Meinung” sich aufdrängt und sich selbst die Frage zu stellen beginnt: Wie stehe ich eigentlich dazu? Unbehagen, weil man nicht recht weiß, wie man dazu stehen soll. Sich den Hysterischen anzuschließen, die knopfdrucks nach ...

Die Sache mit der Brille – vom Imagewechsel der Politiker

„Ich bin jetzt ein anderer“ – äußere Verwandlung nach Krisensituationen ist sichtbarer Stellvertreter dieses Satzes und spricht für sich. Wie eine neue Brille oder der Verzicht darauf. Derzeit zeigt sich dies an einem Ex-Politiker, der sich zurück ins Rampenlicht drängt (Karl-Theodor zu Guttenberg), und an einem möglichen Bald-Ex-Politiker, der sich daraus heraus stiehlt (Guido Westerwelle). ...