Sie zählen zu den schlicht dümmsten Dingen, die passieren können: Missgeschicke. So geschehen mir, am Vorabend meines Aufbruchs zur Berlinale 2013.
Gerade hatte ich meinen neuen Film-Blog www.filmzirkus.net gestartet, um dort nicht nur sämtliche Filmkritiken, die ich zuvor auf meinem Gedankenzirkus-Blog angezeigt hatte, auszulagern, als auch neue Kritiken zu schreiben. Und natürlich wollte ich zum Start des Blogs von der Berlinale berichten – mit Texten, Fotos und Videos. Twitter, Facebook, YouTube, alles stand bereit.
Unverzichtbares Mittel: Mein Smartphone. Möglichst viel Geräte in einem, Fotos sofort hochladen. Keine 8 Stunden vor Aufbruch dann machte mein Smartphone den Abflug in hohem Bogen auf den Asphalt, abends um 23:15. Totalschaden.
Abgesehen von dem wirtschaftlichen Schaden – immerhin hatten sich einige Hundert Euro in Nichts aufgelöst – stand ich nun da. Mit einem fertigen Blog, fertigen Sozialen Netzwerken. Und nichts in der Hand.
Zugegeben: Laptop, Kamera, Videokamera gehören bei der Berlinale zu meiner weiteren Grundausstattung. Am nächsten Morgen oder Tag Bilder hochzuladen, war also nicht gefährdet. Und dennoch: Der Reiz des Plötzlichen, Aktuellen, das Berichten „quasi live“ war unmöglich. Zudem macht ein Smartphone in diesem Gewühl das Aufzeichnen und Knipsen simultan möglich, das Hantieren mit mehreren Geräten in einem so hektischen Gedränge wie das am roten Teppich, auf dem die Stars ankommen und Fans in Aufregung versetzen, ist unpraktisch, gar unmöglich.
So kam zum Drama des verbrannten Geldes nun das Drama fehlender Übermittlungsmöglichkeiten – und die Berlinale war eines Teils ihres Reizes beraubt.
Dass sich meiner Erleichterung, noch ein altes iPhone 3G zu haben, nach anfänglicher Hoffnung in Luft auflöste, als ich feststellte, dass das Gerät inzwischen zu alt für sämtliche Apps war und somit unbrauchbar war, brachte mich angesichts der Plötzlichkeit des Missgeschicks erst richtig in Rage.
So machte ich gleich am nächsten Tag, kaum in Berlin angekommen, Nägel mit Köpfen und kaufte mir ein neues. Ohne mich darüber zu freuen. Zwar bekam ich damit den Nachfolger zu meinem bisherigen und damit das aktuellere und bessere Gerät. Da es Letzteres aber auch noch lange Zeit getan hätte, war ich nicht einmal glücklich über den Kauf, der mir ein paar Hundert Euro aus dem Geldbeutel vaporisierte.
Immerhin wurde ich an einem WLAN-Point in Berlin dahingehend glücklich, dass sich das neue Gerät mit allen Apps wieder herstellte, als wäre nichts gewesen. Und als ich abends dann am roten Teppich zur Premiere von Gus van Sants neuem Film „Promised Land“ stand und dort Jane Fonda, John Krasinski und Matt Damon vor Augen und der Linse hatte, war ich zumindest zufrieden.
Glück sieht anders aus.
Aber möglicherweise ist Glück letztlich auch, wenn man die Folgen eines Missgeschicks und eines dummen Unfalls korrigiert und sich deren Nachteile nimmt. Teuer vielleicht – aber das muss manchmal recht und billig sein …