Vom Scheitern eines geplanten Mordes 2

Zugegeben, es klingt drastisch und ist auch nicht ganz zutreffend: Es ist kein Mord, wenn man beschließt, sein digitales Alter Ego zu töten, mit dem man drei Jahre lang bei Twitter unterwegs war und zuletzt 1035 Follower aus allen Bereichen angehäuft hat. Die Entscheidung, meine Twitter-Identität Opunktkpunkt aufzugeben, war manchem suspekt, und das zu Recht. ...

Hans Benders Auf meine Art und Twitter – oder: Vom Nimbus

Wer sich den neuen Lyrikband „Auf meine Art“ von Hans Bender zulegt und damit zum ersten Mal mit dem Lyriker Bender in Kontakt kommt, mag sich wundern. Seine Gedichte in vier Zeilen sind zeitlich zuvorkommend, kurz: Kurz. Das Lesen von vier Zeilen Text – oder vier Versen – geht rasch vonstatten. Wie das Lesen japanischer ...

Die beschränkte Sache mit der Selbstbeschränkung

Bisweilen tut sie not, auch wenn es zunächst unattraktiv klingt: Selbstbeschränkung. Dabei leitet das Wort in die Irre. Statt sich selbst zu beschränken und damit Verzicht zu üben, beschränkt man Einflüsse, die abhalten, zerstreuen, möglicherweise schaden. Am Ende steht auch kein beschränktes Selbst, sondern ein befreites, gar erlöstes. Ein Selbst, das mehr Selbst sein kann ...

„Die Tribute von Panem“ – Buch und Film im Vergleich 1

Die USA existieren nicht mehr. An deren Stelle ist „Panem“ getreten: Dessen Hauptstadt, genannt „Kapitol“, ist ein Hort des Luxus und der Zerstreuung. Von hier aus herrscht Präsident Snow nicht nur über die Hauptstadt, sondern auch über 12 Distrikte. Jeder Distrikt ist für einen bestimmten Wirtschaftszweig zuständig, der das Kapitol mit Gütern versorgt. In den ...

Whitney Houston: Vom Sterben der Welt

Die innewohnende Tragik und der gefühlte Verlust beim Tode eines Stars wie Whitney Houston ist Ausdruck tiefen Sehnens nach Besserung oder Rückkehr, das der Tod letztlich enttäuscht. Er ist Erlösung vom Scheitern auf der einen und von banger Sorge auf der anderen Seite. Warum geht mancher Tod weit mehr zu Herzen als andere? Weil mancher ...

Die Lüge aller Sorrys 2

Das tut mir aber leid/Wir entschuldigen uns/Kommt nicht wieder vor – Was aussieht wie ein sich verbreitender Hang zur Höflichkeit und Demut ist vielmehr Indikator für die Unsitte, sich zunächst zu viel erlaubt zu haben. Die Entschuldigung für Vergehen ist dabei kein Zeichen von Demut, sondern eine Reaktion auf den öffentlichen Druck, den man sich ...

Die Mär vom Löschen und anderen Verschiebungen

Das waren noch Zeiten, als das Wort „Löschen“ noch hielt, was es versprach: Das Entfernen von Inhalten. Ohne Wenn und Aber. Der Begriff war da eindeutig und klar. Nun ist das anders. „Löschen“ entfernt zwar, aber nur aus der Anzeige. Gesichert sind Löschungen immer noch, zumindest bei Facebook. 3 Jahre lang speichert Facebook „gelöschte“ Bilder. ...

Das chice Denken

Möglicherweise wird Denken derzeit chic, so eine Meinungstendenz vor dem Hintergrund der großen Krisen und Umwälzungen. Diese Annahme ist Begleitmusik des zeitgleichen Starts zweier Philosophie-Magazine in Deutschland und dem nun nachweisbaren Erfolg. Doch möglicherweise ist diese Annahme einfach falsch. Denn sie unterstellt, dass Denken lediglich eine Reaktion auf Krise und Katastrophe sei – was das ...

Der erschöpfende Zwang zur eigenen Meinung

Unbehagen ist ein akademischer Begriff. Aber anders ist das Gefühl nicht zu greifen, das einen immer wieder umfängt, wenn die “öffentliche Meinung” sich aufdrängt und sich selbst die Frage zu stellen beginnt: Wie stehe ich eigentlich dazu? Unbehagen, weil man nicht recht weiß, wie man dazu stehen soll. Sich den Hysterischen anzuschließen, die knopfdrucks nach ...

Das große Sterben der Hörspiele – Requiem auf eine Ära

Schlagartig dünnt sich die deutsche Hörspiel-Szene aus: Labels stellen ihre Hörspielproduktion teilweise oder ganz ein, Titel und Serien verschwinden. Es trifft nicht nur kleine Labels, die nicht publikumswirksam in Ketten oder bei Amazon gelistet sind. Auch Giganten sind betroffen wie Lübbe Audio, denen geballte Marktmacht zur Verfügung stand. Mangelnde Umsätze werden als Grund angegeben, die ...