Als Alternative zu Angela Merkel war Peer Steinbrück von der SPD eigentlich zunächst eine gute Wahl: Mit seinem völlig anderen Politik- und Redestil mit Hang zur klaren Kante und klaren Worten sollte er den Bundestagswahlkampf 2013 für die SPD entscheiden. Doch sein Versagen, das sich im jüngsten ZDF- Politbarometer zeigte, schadet nicht nur ihm und der SPD, sondern auch einer dringenden Politik der Offenheit, die er in den Schmutz zieht.
Dass Steinbrück letztlich mit seinem Fauxpas-Parcours und irritierenden Aussagen sich selbst und seiner Partei ins Knie schoss, ist dabei noch das geringste, da ein hausgemachtes und ein temporäres Problem, das keine langfristigen, bedeutsamen Schäden nach sich ziehen wird.
Steinbrück macht das Ehrliche unglaubwürdig
Verheerender ist Steinbrücks Fluch auf das Ehrbare, Ehrliche, wofür er stehen wollte und für das er anfangs auch geschätzt wurde: Eine Politik der verständlichen Sprache, der Offenheit und Transparenz. Gerade dies nämlich wäre jetzt ein deutliches und nachhaltiges Zeichen gewesen: Wir wollen eine andere Art von Politik und Politikvermittlung.
Was die Piraten anfangs für sich reklamierten, bevor sie sich in vollends in Weltentrücktheit selbst ertränkten, hätte Steinbrück mit Geschick und Geist in die große Politik einziehen lassen können – und wäre endlich eine richtige Alternative zu Angela Merkels CDU geworden, die das Land so dringend bräuchte.
Nun jedoch steht diese so dringend notwendige innere Reinigung vor dem Ende ihrer Glaubwürdigkeit. Und die Frage: Ist das gängige Herumreden, Verschweigen, Ausweichen und Lavieren doch die cleverere Art, Politik zu machen?
Alternativlose Auslieferung
Übrig bleibt mit der CDU eine Partei und mit Angela Merkel eine Bundeskanzlerin, die ihre Stärke nicht aus eigenem Programm und nachweisbaren Erfolgen, sondern zum Großteil auch aus der Alternativlosigkeit zieht, die die anderen Parteien ihr bescheren.
Zum Schluss wird Deutschland von einer Politik und einem politischen Stil beherrscht, der mehr ertragen und geduldet wird – eine heikle Angelegenheit.
Ein Wahlvolk, das achselzuckend lediglich zur Kenntnis nimmt, dass „es ja soweit ganz gut läuft“ nimmt allzu gerne Nachteile, Fehler und Fehlentwicklungen in Kauf, weil „es ja auch schlimmer kommen könnte“ – alternativlos ausgeliefert kann man das nennen.
Sieht so moderne Politik für Deutschland im 21. Jahrhundert aus?
Steinbrücks Schaden ist größer als erwartet. Und mit ihm die Frage drängender: Wann erscheint eine ernstzunehmende Alternative?