Wie fühlt man sich als Moderator einer, in diesem Fall der 4. Social Media Night Karlsruhe? Mein subjektiver Einblick hinter die Kulissen.
Es ist schon dunkel, als ich um kurz nach 17 Uhr im Clubraum des Kongresszentrums Karlsruhe ankomme. Am Eingang leuchtet schon die Begrüßung zum heutigen Abend. Noch sind die Stühle leer. In knapp 2 Stunden werde ich mit der Begrüßung beginnen, denn ich moderiere den heutigen Abend, bei dem einiges anders laufen wird also sonst, gewollt und ungewollt. Nur ein Teil der Beleuchtung ist an, der Raum dämmert vor sich hin. Wir haben noch knapp 1,5 Stunden Zeit, ehe die ersten Besucher zur 4. Social Media Night Karlsruhe eintreffen, die wir vom Social Media Club Karlsruhe, kurz SMCKA, organisieren.
Regen und nasse Hosen
Meine Hosenbeine sehen furchtbar aus, denn sie sind nass, weil es draußen geregnet hat und ich mit dem Rad gekommen bin. Ich wohne nur einen Kilometer
entfernt, da wäre alles andere Blödsinn. Dass es kurz vor meinem Aufbruch zu schütten anfing, war nicht geplant, und zum Zufußgehen ist keine Zeit mehr gewesen. Meine hellgraue Hose zeigt auf den Schenkeln monströse dunkelgraue Flecken der Nässe, der ich ausgesetzt war. Weder Publikum noch Gäste werden es sehen, schließlich bleibt lange genug Zeit, dass sie trocknen.
Meine Notizen für die Moderation habe ich auf Karteikarten geschrieben. Die letzten Male bin ich mit einem Blatt Papier herumgelaufen. So ein flatterndes Blatt sieht nicht gut aus. Das möchte ich diesmal vermeiden.
Eigentlich geht es mir nur noch um die Technik: Mein Laptop wird über den angeschlossenen Beamer zu Beginn der Veranstaltung das Logo des Social Media Clubs Karlsruhe anzeigen.
Hallo und grüß dich
Nur wenige Menschen sind da. Michael M. Roth, der Initiator der Social Media Night Karlsruhe und des des Social Media Clubs Karlsruhe ist da. Personal von der Messe Karlsruhe. Das Catering wird aufgebaut. Menschen im Dämmerlicht eines Veranstaltungsraums in der Aufwachphase.
„Hi, wie geht’s?“ „Ach, hallo!“ Händeschütteln. Sponsoren sind da – natürlich von der Karlsruher Messe GmbH, die uns bereits zum 4. Mal den Raum kostenfrei zur Verfügung stellt. Ohne dies wäre unsere Veranstaltung gar nicht möglich, zumal der Abend die Besucher keinen Eintritt kostet.
Auch der andere Sponsor ist ein alter Bekannter inzwischen. Fischer Computer stellt wie immer die Technik für unsere Twitter-Wall zur Verfügung. Der Techniker der Messegesellschaft ist das einzig neue Gesicht für mich. Heute haben wir gleich drei Mikrofone, erfahre ich. Neben dem fest installierten am Rednerpult haben wir nun auch zwei Handmikrofone. Eines ist für mich, eines für Michael, den ich diesmal anfangs kurz interviewen werde, um ihn für das Publikum ein wenig über sich und die Social Media Night auszufragen. Wir wollen Dialog zeigen. Weil er für etwas steht.
Da fehlt doch was …
Ich zeige Michael meine Karteikarten – dann will ich am Rednerpult, um meinen Laptop an den Beamer anzuschließen. „Können wir den Beamer mal einschalten?“ „Klar“.
Wir finden, dass der Raum zu dunkel ist. „Können wir mehr Licht einschalten?“ „Aber sicher.“ Die Raumdämmerung ist endlich beendet.. So muss der Raum aussehen. Ich blicke auf die leeren Stühle vor mir. Es sind genügend da, um den 106 Anmeldungen gerecht zu werden. Natürlich werden nicht alle Angemeldeten kommen. Aber ich bin guter Dinge, dass wir gut besucht werden.
Schnell den Bildschimschoner deaktivieren und das Logo aufrufen, schon füllt es meinen Monitor – aber nicht die Leinwand. Da fehlt doch was. „Hat jemand zufällig einen Adapter für Mac auf VGA?“, frage ich, der eigenen meinen Adapter vergessen hat. Und ernte Verneinungen.
Ich werde also nochmals schnell heim fahren müssen, um ihn zu holen – wieder raus in den Regen. Noch nassere Hosenbeine. Schon sehe ich mich mit den grauen Flecken auf den Schenkeln die ersten Leute begrüßen und von der Bühne dem Publikum erklären, warum ich so unmöglich aussehe und warum ich keine andere Chance mehr hatte, das zu verhindern.
Doch ich habe Glück: Dem Gusss draußen ist inzwischen die Lust vergangen, und so bin ich von weiterem Regen verschont nach 20 Minuten wieder da.
Inzwischen sind auch die anderen Mitstreiter vom Social Media Club angekommen. Am Eingang zum Clubraum postieren sich zwei an einem Stehtisch mit den Namenaufklebern, die jeder Besucher bekommen wird.
Als das Logo endlich auf der Leinwand erscheint, bin ich für meinen Teil noch entspannter. Nur meine Schenkel fühlen sich offen gestanden scheußlich an. Ich hätte gerne ein Pils, doch das verkneife ich mir. Wie ich mir überhaupt jedes Getränk verkneife.
Mein Part wird gleich nur noch aus Reden bestehen, einer meiner weiß Gott leichtesten Übungen. Doch bei aller Souveränität und obwohl ich nun zum dritten Mal die Social Media Night moderiere, frage ich mich, ob meine Moderation dem Anlass angemessen ist und gut ankommt. Dazu später mehr.
Die meiste Arbeit ist erledigt: Die Referenten sind eingeladen und teils schon auf dem Weg, das Orga-Team hat sich einige Tage zuvor getroffen – wir immer in einem Lokal – und die Veranstaltung besprochen.
Ich habe PR-Mitteilungen geschrieben, wir haben Twitter, Facebook und Xing gefüttert, Daten in die Dropbox geschoben und in unserer geschlossenen Facebook-Gruppe diskutiert, haben den Flyer entworfen, gedruckt und verteilt, erstmals eine Verlosung, erstmals Fragebögen, um uns beurteilen zu lassen, nun ist die Veranstaltung nur noch ein Zug, der auf der Spur ist.
Von Referenten, Zwischenfällen und dem Krux mit Terminen
Wir erwarten wie immer drei Referenten. Diesmal sind es Markus Besch, Vorstand der IT Advantage AG aus Nürtingen und Begründer des SocialMedia Institute (SMI), der zum Thema „Social Reach Monetisation“ sprechen wird. Mit Richard Gutjahr haben wir erstmals einen Journalisten zu Gast. Er wurde Netzjournalist des Jahres, weil er während der ägyptischen Revolution vom Kairoer Tahir-Platz twitterte und bloggte. Er ist der erste Mensch weltweit, der sich offiziell ein iPad kaufte (wofür er nach New York flog) und als TV-Moderator des Bayerischen Fernsehens die experimentelle Rundshow initiiert und moderiert – über die und deren Social-Media-Aktivitäten er auch heute sprechen wird.
Und Norbert Käthler, der Leiter des Stadtmarketing Karlsruhe – ein weiterer Sponsor des Abends – wird erstmals öffentlich die Socia-Media-Strategie der Stadt Karlsruhe vorstellen. Er wird sein Team mitbringen, das später auf dem Blog des Stadtmarketing-Teams gestehen wird, aufgeregt gewesen zu sein – wozu es keinen Grund gab, aber dazu später mehr.
Eigentlich klingt alles perfekt. Aber es ist diesmal ein Wurm in unserer Veranstaltung:
Unser Kollege, der die Twitter-Wall betreut, muss kurzfristig absagen – ein Todesfall in der Familie, tragisch. Da mochte man kaum in die Runde fragen, ob sich jemand anders fände. Doch die Frage wurde gestellt und die Antwort gegeben: Die Twitter-Wall wird laufen. Eine Kollegin springt kurzfristig ein, die eigentlich gar nicht anwesend gewesen wäre. Sie wird für den Rest des Abends hinter der Twitter-Wall verschwinden und nur kurz, als die Sprache auf sie kommen wird, die Hand zum Winken hervorstrecken.
Unsere Reihenfolge für die Speaker wird durcheinandergewirbelt.
Eigentlich sollte Richard Gutjahr, der aus München anreist und damit die mit Abstand größte Strecke zu bewältigen hat, als letzter Referent auftreten.
Doch via Facebook teilt er uns im Laufe des Tages mit, dass er früher wieder aufbrechen muss, um den letzten Zug zurück nach München zu erreichen – und der geht überraschend früh.
So wird er als zweiter sprechen. Außerdem kommt er so spät an, dass wir ohne ihn beginnen müssen – wir müssen hoffen, dass er es rechtzeitig schaffen wird, denn sein Zeitfenster ist klein.
Wetter, Weihnachtsmarkt, Weh o weh
Außerdem:
Der Weihnachtsmarkt in Karlsruhe eröffnet an diesem Abend – eine nicht zu verachtende Konkurrenz.
Apropos Weihnachtsmarkt: Norbert Käthler, der Leiter des Stadtmarketings Karlsruhe und einer der drei Redner – und Sponsor – des Abends, hat an diesem Abend im Zuge der Weihnachtsmarkteröffnung noch einen Termin und wird entsprechend später kommen.
Der Abend wird also mit nur einem Redner beginnen, der glücklicherweise schon da ist: Markus Besch, Vorstand der IT Advantage AG aus Nürtingen, der über das Thema „Social Reach Monetizsation“ sprechen wird.
Ich stelle mich darauf ein, gegebenenfalls ein wenig mehr reden und eventuelle Wartezeiten überbrücken zu müssen, sollten es die anderen beiden Referenten niciht rechtzeitig schaffen. Zwar fällt mir das Reden als ausgemachte Labertasche alles andere als schwer, aber dem Publikum vielleicht, zuzuhören. Mein schlimmster Gedanke: Vorn zu stehen und ankündigen zu müssen, dass heute nur einer der drei Redner da sein wird.
Zu guter Letzt schockte der Wetterbericht schon abends zuvor: Wintereinbruch. Kälteeinbruch. Schneeeinbruch. Ausgerechnet heute. Und nur heute. Denn am Freitag soll alles wieder vorbei sein.
Immerhin bleiben Winter und Schnee an diesem Abend aus Karlsruhe noch fern. Aber natürlich können sie im Laufe der Veranstaltung über die Stadt hereinbrechen.
Wie dies in Kombination mit dem Weihnachtsmarkt auf den Zuschauerstrom wirken wird, können wir nicht wissen. Aber es sei gesagt: Es wird sich spürbar auswirken.
Wir haben einige Neuerungen an diesem Abend: Der O’Reilly Verlag stiftete 4 Fachbücher, die wir verlosen werden – die erste Verlosung, die wir durchführen.
Außerdem wollen wir uns erstmals vom Publikum beurteilen lassen: Daher haben wir erstmals Fragebögen vorbereitet.
Die verteilen wir nun noch, auf jeden Sitzplatz einen. Da ich zuvor nicht mehr in unsere Dropbox gesehen habe, sehe ich sie an diesem Abend zum ersten Mal.
Während die ersten Gäste einströmen und sich ihre Namensschilder ankleben, klären wir quasi am offenen Herzen noch ab, wie genau wir die Buchverlosung am Ende der Veranstaltung abhalten wollen. Moment. Was ist mit dem Losbehälter? Wo ist er? Ist er überhaupt da?
Er ist.
Wir lassen den Gästen wie immer einige Minuten Zeit. Wir fangen nie ganz pünktlich an und räumen akademisch mindestens 5 Minuten ein.
Irgendwann aber muss ich die Grüppchen am Catering zerreden, die sich schnell auflösen und auf ihre Sitze verteilen.
Interview mit Flucht und twittern über Würste
Mein Interview mit Michael M. Roth gestaltet etwas kurios: Während ich mit ihm spreche, rückt er ständig meterweise von mir weg, ganz gleich, wie sehr ich ihm immer folge, was mich ehrlich gesagt verwirrt. Am Ende des Abends werde ich erfahren, dass ihn das Licht des Beamers geblendet hat. Nun, da kann ich mitreden. Am liebsten würde ich mitten auf der Bühne stehen, flüchte aber vor der Blendung selbst immer an einen Rand.
Die Twitter-Wall hab ich stets im Blick. Denn sie kann gnadenlos sein. Jeder kann hier mit dem Hashtag #smcka über Twitter unmittelbar seine Meinung oder was auch immer herausposaunen, auf dass jeder Anwesende es live augenblicklich lesen kann und wir direkt reagieren können. Es wird wie bislang immer sehr gesittet bleiben – bei meiner ersten Moderation zur 2. Social Media Night wurde noch eifrig darüber getwittert, dass dieses Mal keine Gulaschsuppe mehr angeboten wurde. Bei meinem nächsten Redepart konnte ich darüber aufklären, dass es stattdessen tolle Bockwürste gab. So macht eine Twitter-Wall Spaß.
Speaker im Dreierpack
Markus Besch macht als erster Redner des Abends den Anfang, und ich habe Sendepause. Für ca. 20 Minuten gehören Bühne, Beamer und Mikro ihm. Besch ist nicht nur Vorstand, sondern auch der Initiator des „großen Bruders“ unserer Social Media Night: Die überaus erfolgreiche und monatlich stattfindende Social Media Night Stuttgart ist sein Kind.
Inzwischen ist erfreulicherweise unser Gast aus München eingetroffen. Während noch Markus Besch aus dem Publikum Fragen gestellt werden, richtet sich ein leicht gehetzter Richard Gutjahr auf seinen Vortrag ein, den er mit dem Hinweis beginnen wird, leider nur wenige Fragen am Schluss beantworten zu können, da er dringend wieder zum Bahnhof müsse. Dann legt er los, wie man es von einem TV-Profi erwartet. Am Ende schafft er es doch, einige Fragen zu beantworten und lässt auch sein Taxi noch ein wenig warten, das bereits auf ihn wartet.
Als ich mit Norbert Käthler, der eigentlich der 2. Sprecher des Abends sein sollte und der glücklicherweise inzwischen bereit im Saal sitzt ankündige, verlässt Gutjahr den Saal. Später wird er twittern, dass er noch einige Verspätungen mit der Bahn hat in Kauf nehmen und müssen.
Die Geschichte vom geschossenen Bock
Es musste ja mal so kommen: Ich schoss den Bock des Abends. Bei der Ankündigung von Martin Käthler zählte ich zwar einige seiner Stationen auf, eine eben jene nicht, die in diesem Zusammenhang und für seinen Vortrag nicht unwichtig gewesen wäre: Er ist Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. (bcsd) – was bei meiner Anmoderation indes überhaupt keine Erwähnung fand.
Ein Erfolg wurde sein Vortrag über die Social-Media-Strategie des Karlsruher Stadtmarketings trotzdem: Um ihn und sein Team, das er während seines Vortrags aufstehen ließ, scharten sich am Ende der Vorträge die meisten Interessierten – nachdem wir unsere Verlosung erstmals durchgeführt hatten, schließlich gab es 4 Bücher zu gewinnen, die der Verlag O’Reilly stiftete.
Verlosung im Schweinsgalopp
Wir hatten noch keine Erfahrungen mit einer Verlosung und diskutierten im Vorfeld also: Wann ist die Verlosung am besten platziert? Wie führen wir sie durch?
Hier kamen unsere Fragebögen ins Spiel, die jeder Besucher auf seinem Stuhl vorfand: Wer an der Verlosung teilnehmen wollte, musste den Fragebogen ausfüllen – so kamen die Besucher auf meinen Hinweis hin der Bitte nach und füllten in Rekordzeit den Fragebogen aus, den einige von uns ebenfalls in Rekordzeit einsammelten. Dass nahezu alle geduldig mitmachen und die Verlosung abwarteten, bevor es ans Networking und die Getränke ging, hat uns sehr gefreut.
Nettes Networking
Wie üblich, wurde auch diese Social-Media-Night dialogisch: Beim anschließenden Networking wurde wie gewohnt viel miteinander geredet. Ich stürzte als Erstes an die Bar, um mir ein Bier zu holen, das ich mehr runterstürzte als genoss. Das sofort anschließende zweite Pils dann trank ich dann in Gesprächsatmosphäre.
Man trifft sich, lernt sich kennen – und ich war begeistert, meine neuen Visitenkarten dabei zu haben. Die kamen aus England, und es war nicht sicher, ob sie rechtzeitig fertig sein würden.
Eine Social-Media-Night dünnt sich nur zaghaft, aber an einem bestimmten Punkt leert es sich wie bei einem geplatzten Luftballon. Ein harter Kern spricht noch, während das Catering sich schon ans Abbauen macht. Ich muss es wissen – ich war einer der Letzten.
Noten
Gefreut hat uns denn auch das Ergebnis unserer Umfrage: Unsere 4. Social Media Night Karlsruhe kam bei den Anwesenden gut an.
Hier wird es Zeit für ein Geständnis: Ich war sehr aufgeregt an diesem Abend, auch wenn das niemand merkte. Der Grund: Ich war mir nicht sicher, ob meine flapsige Art der Moderation von den Besuchern für gut befunden werden würde – ich fürchtete, das Publikum empfände mein Auftreten als zu locker, zu unangemessen, und dass ich daher abgestraft werden würde. Den Bekundungen meiner Kollegen, dass ihnen meine Art sehr gut gefiel, misstraute ich geflissentlich und wartete entsprechend besorgt und gespannt auf die Auswertung der Fragebögen, die in den nächsten Tagen kam. Nein, ich wurde nicht abgestraft. Sogar deutlich ganz im Gegenteil. Mit so einem deratigem Votum hätte ich nie gerechnet, ganz ehrlich, und ich konnte mich zunächst gar nicht darüber freuen, weil ich so verblüfft darüber war.
Man kann also weitermachen. Bis zum nächsten Mal also.
Sehr interessanter Bericht und Respekt vor deiner Arbeit. Aber zum Stragast des Abends, Herrn Gutjahr ein Zitat: “Er ist der erste Mensch weltweit, der sich offiziell ein iPad kaufte (wofür er nach New York flog)”. Das macht ihn zu etwas Besonderem? O tempora, o mores…