Dr. Ex – Wie Schavans Entzug der Doktorwürde der Universität nützt

Doktor Ex. Schavan und ihre entzogene DoktorwürdeEinst rollten Köpfe, heute fallen Doktortitel, wie der Fall der entzogenen Doktorwürde wegen systematischer und vorsätzlicher Täuschung von Bildungsministerin Annette Schavan zeigt. Die öffntliche Meinung ist klar: Wieder ein Politiker, der getrickst hat und nicht hält, was er verspricht. Dass jedoch auch die Universitäten und Akademiker auf den Prüfstand gehören, die sich angeblich „täuschen“ ließen, redet niemand. Seltsam ist das schon.

Unbequeme Fragen über wissenschaftliche Leistung der Universität

Der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf entzieht Annette Schavan den akademischen Grad wegen „systematischer Täuschung“. Nach 33 Jahren. Im Jahr 1980 ging ihre Dissertation durch, wie auch 30 Jahre danach. Die Universität Düsseldorf hatte eine inzwischen bekannte und geachtete Alumni mit besten Kontakten als Forschungsministerin. Bis die Plagiatsvorwürfe laut wurden. Und die Universität sich mit Fragen konfrontiert sah wie diesen: Wie es habe kommen können, dass ein Plagiat 1980 Frau Schavan zum Doktortitel verhalf. Warum damals und auch sonst nie Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Titels, der Qualität der Dissertation und letztlich der Entscheidung der Universität aufkamen. Wie es mit der wissenschaftlichen Gründlichkeit der Universität an sich bestellt ist.

Förder- und Drittmittel in Gefahr

Derlei Fragen nagen an der Reputation akademischer Einrichtungen, machen sie sie doch unglaubwürdig und zum Ziel von Häme. Aber es geht noch weiter: Der Eindruck unzureichenden akademischen Niveaus und wissenschaftlicher Gründlichkeit gefährdet nicht zuletzt die Unterstützung durch Fördergelder und Drittmitteln.

Von Ministerin zur Betrügerin in einer sprachlichen Wendung

Da hilft nur eins: Die Flucht nacht vorn, inhaltlich wie sprachlich. Denn die sprachliche Ausgestaltung der Vorwürfe spricht Bände. Von einer Alumni und Ministerin zur Betrügerin ist es nur eine sprachliche Wendung:

Nun steht Annette Schavan als Person da, sie „systematisch und vorsätzlich“ getäuscht habe – nicht mehr weniger als betrogen also – und sich somit unrechtmäßig den Titel erschlichen hat.

Geschädigt ist die Universität, die nun mit der Aberkennung keinen Fehler und keine Schlampigkeit korrigiert, sondern ein Unrecht ahndet, dass man ihr als Universität angetan hat.

Wohlweislich geht die Erklärung darauf ein, dass hier keine neuen Ansprüche rückwirkend in die Arbeit hineingebracht worden seien, sondern dass bereits damals die gleichen Standards galten wie heute – und räumt „selbstkritisch“ ein, dass es in der Geschichte der Fakultät „ immer wieder in einzelnen Bereichen oder bei einzelnen Personen Defizite in der Betreuung oder in der Prüfung von Dissertationen gegeben haben kann“ – was Wind aus den Segeln der Kritiker nehmen soll.

Doch der Verweis auf „die Fakultät“ beschränkt etwaige Mängel in der wissenschaftlichen Arbeit und Bewertung von Ergebnissen auf den Bereich der Erziehungswissenschaften, in dem Schavan vor 33 Jahren promovierte – und letztlich schwächt das kleine Wörtchen „kann“ auch dies ins Reich der Spekulation ab.

Bauernopfer Schavan

Reputation gerettet, eine andere zerstört durch Unterstellung der Täuschung. Irrtum ausgeschlossen. Ob und wie weit Schavan tatsächlich getäuscht haben mag oder unsauber gearbeitet hat, mag an anderer Stelle diskutiert werden, ebenso, ob Schavan den Doktortitel eigentlich nie verdient hat, da sie die dafür erforderlichen Leistungen nicht erbracht hat.

Ob die Universität Düsseldorf nach einer kurzen Atempause von ihrer Entscheidung langfristig profitiert, bleibt abzuwarten. Für sich selbst jedenfalls hat sie erst einmal gesorgt.

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