In der SF-Literatur markiert der Roman „Die fliegenden Zauberer von Urgestein Larry Niven und David Gerrold einen Meilenstein: Er ist von vornherein als komischer SF-Roman konzipiert – selten genug. Am Beispiel dieses Buches wird einem erst richtig bewusst, wie die Science-Fiction-Literatur zu Ernsthaftigkeit neigt. Epen, Schlachten, Warnungen, Bedrohungen, gemischt mit Horror- und Gothikelementen, alles ist reichlich vorhanden – aber durchweg spaßige SF-Romane sind Mangelware.
„Die fliegenden Zauberer“ ist da die wohltuende Ausnahme und hat auch aufgrund seines Witzes weltweit den Ruf eines großen SF-Klassikers.
Mit viel Wort- und Dialogwitz spinnen Niven und Gerrold ein Garn über die Konfrontation zweier konträrer Sichtweisen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Das Aufeinanderprallen einer technisierten Raumfahrerzivilisation mit einer rein auf Magie beruhenden Gesellschaft bietet allerhand Raum für sprühende Gespräche zwischen den Protagonisten, peppige Pointen und gelegentlich gar Schenkelklopfer.
Erreicht wird dies durch mehrere Faktoren: Die Lust der Autoren, witzig zu sein, eine originelle Story und Grundidee sowie schlichtweg herrlich schrullige Charaktere.
Die Geschichte des Raumfahrers Purpur, der auf einem fremden Planeten strandet und mithilfe der Einheimischen (die ihn nebenbei abgeschossen haben) versucht, auf sein im Orbit wartendes Mutterschiff zu kommen, wartet mit zahllosen Skurililitäten mit einigem Hintersinn auf.
Niven und Gerrold erzählen das Treiben aus der Sicht des Einheimischen Lant. Diese Perspektive macht die Magie und die Selbstverständlichkeit ihrer Bedeutung wahrlich greifbar. Der Raumfahrer , ein Mensch, den man durch die fehlerhafte Übersetzung eines Translators Purpur nennt, erscheint abnorm, seine wissenschaftliche Denkweise (und damit die der Leser) streckenweise gar idiotisch. Die auf dem Planeten herrschende Magie jedoch erscheint keineswegs einfältig, sondern als ebenbürtiges Denksystem wie die wissenschaftlich-technische der Menschen.
Wenn der Leser erfährt, wie die mechanisch für jeden normal denken Menschen nachvollziehbare Systematik eines Fahrrads mittels Magie und Götterglaube glaubwürdig erklärt wird, kommt man als Leser schon in Staunen. Um die Zivilisation aber nicht vollends romantisch zu verklären, wird sie auch mit unangenehmen Verhaltensweisen ausgestattet, die jedoch brüllend komisch vermittelt werden: So tragen Frauen vollkommen selbstverständlich Fußfesseln, müssen sich ihren Mann mit mehreren Frauen teilen, werden wie selbstverständlich geschlagen und unterdrückt, können als Kind verkauft werden und so weiter.
Der Roman hält sich nicht lange damit auf, fremde Welten glaubhaft zu erklären oder zu deuten, technologische Errungenschaften weiterzudenken und zu hinterfragen, sondern beschränkt sich erfrischend klar auf das Beschreiben der Welt, wie sie ist: Sie ist einfach da.
Der Mensch als Eindringling jedoch muss erkennen, dass sein Rationalismus auf tönernen Füßen steht. Wenn Purpur sich mit seinem Zauberer-Kontrahenden Shoogar über das Wesen von für uns so banale Dinge wie Blaupausen und gezeichnete Bauanleitungen streitet, werden die Grenzen eben jenes Rationalismus deutlich, der sich die Science Fiction für gewöhnlich verschrieben hat.
Nicht zuletzt deshalb ist „Die fliegenden Zauberer“ ein zutiefst menschliches Buch, das die Genre-Literatur bis heute maßgeblich erweitert hat. Und das auf einzigartige Weise.
Larry Niven ist als Erzähler hier in seinem Element. Auf sein Konto gehen weitere Klassiker wie „Ringwelt“ und „Ein Splitter im Auge Gottes“. Gerade im Letzteren beschrieb er ebenfalls eine Welt, die sich der Deutung durch den Menschen und seinem Wertekanon vollständig entzog und deren Verstehen erst mühsam erkämpft werden muss. Auch hier hatten es Raumfahrer mit einer vermeintlich minderbemittelten Zivilisation zu tun, die sich im weiteren Fortlauf der Geschichte als doppelbödiger herausstellte als zunächst angenommen.
Es ist zu wünschen, dass „Die fliegenden Zauberer“ bald wieder regulär erhältlich ist – ansonsten findet man es antiquarisch. Ein Kauf ist es in jedem Falle wert.