Gedankenzirkus

The Last Witch Hunter – Filmkritik

The Last Witch Hunter - FilmkritikWem daran gelegen ist, über 100 Minuten Lebenszeit zu opfern, dem sei The Last Witch Hunter ans Herz gelegt. Immerhin bündelt der Film so ziemlich alle Merkmale eines schlechten Films: Ein unterirdisches Drehbuch, das so fragmentarisch und oberflächlich ist, dass es dem Fass den Boden ausschlägt – die wohl grandioseste Fehlbesetzung des Jahrtausends mit Vin Diesel als Hexenjäger – eine stümperhafte Regie ohne Gefühl für Timing und Rhythmus – miese Dialoge, miese Schauspieler, miese Charaktere. Wie kann das sein?

Keine Sekunde nimmt man Action-Star Vin Diesel seine Rolle als Hexenjäger Kaulder ab, der vor über 800 Jahren im Endkampf gegen die Hexe, die die Pest brachte, zum ewigen Leben verdonnert wurde. Nun in der Jetztzeit wird er sekundiert von Pfarrer Dolan der 36. (Michael Caine). Doch als der Opfer eines Angriffs wird und mit seinem Nachfolger Dolan der 37. (Elijah Wood) und der Hexe Chloe (Rose Leslie) neue Personen ins Spiel kommen, steht auf einmal der seit Jahrhunderten währende Friede zwischen Hexen und Menschen auf dem Spiel.

Allerlei Hokuspokus bietet dieser eigenwillige Trash-Mix aus okkultem Fantasy-Murks und mäßigen B-Movie-Effekten. Immer wieder gibt es Szenen, die stehen im Film wie ein Päckchen, das keiner abgeholt hat und nun im Film stehen. Vom Bemühen, eine weitreichende, schlüssige Mythologie aufzubauen, ist das kindische Drehbuch so weit entfernt wie Pluto von der Sonne. Schon allein der Schauplatz ist lcherlich: Da wird eine 800 Jahre alte Story einfach dorthin verfrachtet inklusive aller Mätzchen wie Hexengefängnisse, Hexengerichte und unterirdische Verliese – all das unter einer Kirche mitten in Manhatten!

Für weitreichende Erklärungen oder nur dem Ansatz eines schlüssigen Gesamtkonzepts nimmt sich der Film keine Zeit: Die Dinge und Szenen sind einfach da und sind einfach so, wie sie sind. Ende Gelände. Da stolzieren Figuren durch den Film, die in einem billigen Direct-to-Video-Film der 80er-Jahre besser aufgehoben gewesen wären. Das sind keine Charaktere, sondern Schablonen. Noch Fragen?

Man fragt sich, was die Verantwortlichen geritten haben mag: Ging der Film möglicherweise ursprünglich 2,5 Stunden und wurde dann auf diesen Torso herunter gekürzt? Wenn nicht, ist die erste Regiearbeit von Breck Eisner nach seinem tollen Horror-Streifen The Crazies gründlich in die Hose gegangen. Denn dass keine Sekunde Spannung aufkommt, dass die naiven Witzchen, die in 80er-Jahre-Buddyfilm-Marnier höchstens Kinder amüsieren könnten, und dass jeder Ansatz von Action in Desinteresse verpufft, ist natürlich auch ein Versagen einer Regie, die nichts mit dem Stoff anzufangen weiß.

Überhaupt Stoff: 2010 galt das ursprüngliche Drehbuch als eines der Favoriten auf der Liste der besten, nicht verfilmten Drehbücher. In den 5 Jahren muss einiges passiert sein, denn das, was da an unausgegorenem Mumpitz ohne Sinn und Verstand vor den verblüfften Augen des Kinopublikums gezeigt wird, kann unmöglich damit zu tun haben.

Michael Caine, der auf seine alten Tage so richtig erfolgreich und zu einer Muse von Christopher Nolan wurde, griff nun einmal richtig ins Klo – seine Rolle ist ebenso undankbar wie unwürdig für einen Mimen gleich welchen Kalibers.

Erwähnen muss man auch die Musik, die den Mangel an Wucht und Spannung offenbar durch Getöse wettzumachen versucht; vergeblich übrigens. Akustisch will sie ein groß angelegtes Epos begleiten, doch wirkt sie in diesem lauen Lüftchen an Film deplatziert.

The Last Witch Hunter wurde mit 90 Millionen Dollar Produktionskosten ein maßloser Flop, und es verwundert nicht. Wer immer den Film so verbrochen hat, wie er verbrochen wurde: Der finanzielle Misserfolg ist logische Konsequenz. Von einer künstlerischen Fehlleistung ganz zu schweigen.

Zeitverschwendung.

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