Gedankenzirkus

The Conjurung 2 – Filmkritik

The Conjuring 2 FilmkritikKnarrende Türen, knirschende Holzdielen, Luftzüge in Vorhängen: Hollywood hatte sich schon längst von diesen Zutaten klassischer Gruselfilme verabschiedet. Als ausgerechnet Saw-Schöpfer James Wan mit Insidous und The Conjuring auf eben jene als überholt geltenden Mechanismen zurückgriff und Filme schuf, die wie aus der Zeit gefallen altmodisch daherkamen, geschah das Wunder: Das Publikum bekam wieder Angst im Kino, und James Wan bewies, wie effektive Grusler funktionieren.
Dass nun der zweite Teil seiner Conjuring-Reihe kommen musste, war angesichts des großen Profits des ersten Teils ausgemachte Sache.
Und Wan enttäuscht sein Publikum auch in The Conjuring 2 nicht: Das Sequel bedient nicht nur die Erwartungen an seinen Grusel-Stil, sondern jongliert zudem gekonnt mit Übersinnlichkeit und Glauben.

Erneut erzählt der Film eine angeblich wahre Geschichte, deren Protagonisten historisch ebenso belegbar sind wie die Fälle selbst. Es ist dieser Wahrheitsanspruch, der aus den Conjuring-Filmen mehr macht als reine Fiktion – auch wenn angeblich wahre Geschichten wie diese grundsätzlich dem Makel des Aberglaubens und der Fälschung ausgesetzt sind.
Diesmal verschlägt es das Ehepaar Warren nach England Anfang der 70er-Jahre. Hier wird die Familie Hodgson von einem Geist terrorisiert. Doch auch Ed und Lorraine Warren selbst sind Teil des Spuks, auch wenn sie in den USA leben. So wird ihre Mission, im Namen der Kirche dem sinistren Treiben auf den Grund zu gehen, auch zu einer ganz persönlichen: Immerhin sieht Lorraine den Tod ihres Mannes voraus.

Wan erzählt in The Conjuring 2 zwei Storys nebeneinander und verwebt diese immer stärker miteinander. Damit lässt er sich reichlich Zeit – was zu einer beeindruckenden Laufzeit von satten 134 Minuten führt. The Conjuring 2 dürfte damit der mit Abstand längste Gruselfilm überhaupt sein.
Gut tut dem Film diese enorme Länge übrigens nicht grundsätzlich. Gerade im ersten Drittel wiederholen sich Einstellungen und Szenen, ohne dem Film Elementares hinzuzufügen. So überzeugend Wan das komplizierte Milieu der Familie Hodgson darstellt und den Figuren erfreulich viel Zeit zur Entwicklung gibt, so nehmen die immer gleichen Kamerafahrten letztlich dem Schrecken einiges an Schlagkraft.
Auch schafft das Drehbuch es nicht zur Gänze, den Handlungsstrang der Warrens stringent in die Spuk-Geschichte einzufügen.
The Conjuring 2 zeigt für einen Gruselfilm erstaunlich viel menschliches Schicksal und Emotion, was den Film aus dem Einerlei anderer Produktion dankenswerterweise heraushebt. Nicht nur die Interaktion der Familie ist liebevoll dargestellt, auch die Beziehung des Ehepaars Warren nimmt einen großen Raum im Film ein. The Conjuring 2 zeigt Menschen in Extremsituationen und konzentriert sich dabei auf das menschliche Drama. Zur richtigen Größe läuft der Film auf, wenn Ed Warren auf einer Gitarre für die überdrehte Familie Hodgson ein Elvis-Lied singt. Diese Szene ist derart wunderbar, intim und emotional, dass sie eine Freude ist.

Bei all dem Menscheln bleibt jedoch das dämonische Treiben etwas auf der Strecke. Anders als im ersten Teil beschränkt sich Wan diesmal hauptsächlich auch Innen-Szenen, und so detailversessen das triste Wohnhaus die prekäre Situation der Familie Hodgson transportiert, bietet das Setting selbst nicht viele Möglichkeiten, eine Bedrohung zu zeigen.
Wenn es im Haus dann zur Sache geht, schöpft Wan aus dem Vollen und zeigt, dass er sein Handwerk versteht. Nach seinem Ausflug ins Mega-Budget-Kino mit Fast and the Furious 7 tobt er sich in kleinen geschlossenen Räumen wieder aus.
Insgesamt wirkt The Conjuring 2 etwas überladen und verliert dabei im direkten Vergleich zum ersten Teil an Effektivität und Schrecken. Auch die Überraschung des Films, die hier natürlich nicht verraten wird, wirkt bemüht und überzeugt nicht vollkommen.
Alles in allem ein interessanter wie hervorragend gemachter Film – mit Längen, Redundanzen und Drehbuchschwächen.
Teil 3 dürfte angesichts des Profits von Teil 2 ausgemachte Sache sein.

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2 comments for “The Conjurung 2 – Filmkritik

  1. Dienstag, 18. Oktober 2016 at 13:42

    I don’t like trailers, because I want to have more positive things and be happier everyday.

  2. Freitag, 12. August 2016 at 00:02

    I like horror films. It makes my blood run cold but it also brings me enormous bright emotions.

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