Gedankenzirkus

Filmkritik Exodus: Götter und Könige

Filmkritik Exodus: Götter und KönigeReligion „ist die größte Quelle des Bösen“, sagte Regisseur Ridley Scott dem Magazin Esquire über die Botschaft seines neuen Films Exodus: Götter und Könige. Das hätte die Frage „Warum ausgerechnet Moses?“ durchaus beantwortet – doch er löst sein Versprechen nicht ein. Wenn Scott einen Film dreht, schauen zwar alle hin – aber nicht alle zu. Das ist auch bei Exodus: Götter und Könige nicht anders. Der Film erzählt mit der biblischen Moses-Geschichte einen Stoff, den derzeit niemand braucht. Und Scott, der sich auf die phantastischen und actionreichen Elemente konzentriert, gibt auch keinen Anlass, dass jemand seinen Film sehen muss.

Klar, der Film in 3D sieht großartig aus, das alte Ägypten war nie überwältigender anzusehen. Und glücklicherweise hat Scott keinen christlichen Film abgeliefert, eher im Gegenteil. Er modernisiert den Stoff zu einer schwungvollen und zeitgemäßen Erzählung, die vom Christentum so entkernt ist wie nur möglich. Scott weiß, wie man visuell überwältigt, und auch in seinem hohen Alter inszeniert er schwung- und kraftvoll wie kaum ein anderer.

Wäre da nicht die Frage: Warum ausgerechnet Moses? Die Story funktioniert nämlich ohne den christlichen Unterbau nur dann, wenn man ihr eine andere Bedeutung geben würde. An dieser Stelle klafft jedoch ein Loch. Er bringt selten oder nicht deutlich genug aktuelle Zeitbezüge, wie z.B. Momente wie jenen, in dem Ramses Moses nach dem Alptraum der göttlichen Plagen fragt, welch Extremisten es sein müssen, an solch einen Gott zu glauben, der auch Frauen und Kinder  tötet. Doch aus dieser brandaktuellen Vorlage macht der Film nichts. Die eindrucksvoll zur Schau gestellte Ungleichheit zwischen den Ägyptern und dem schuftenden jüdischen Volk lässt zwar Ansätze mitschwingen, wird jedoch nicht weiter ausgeführt, nicht problematisiert und wird somit nie emotional wie philosophische Triebfeder der Geschichte.

Dass Moses eher ein Heerführer wird denn ein Befreier wie in der Bibel: Wird nicht weiter ausgebaut. Immer wieder hat man das Gefühl: Hier fehlt etwas. Szene reiht sich an Szene, folgt einem Ablauf, doch Figuren bleiben blass, Motivationen im Dunkeln, Dinge ungeklärt. Am Ende kommt man aus dem Kino, hat viel zu viele computergenerierte 3D-Luftperspektiven gesehen, hat ausgerechnet Sigourney Weaver nicht mehr als 2, 3 Sätze aufsagen hören, und fragt sich, was man von diesem Film halten soll und ob man einen vollständigen Film gesehen hat.

Hat man nicht – die 2,5 Stunden, die der Film in der Kinoversion dauert, ist ein Torso. Ähnlich wie in seinem Historiendrama Königreich der Himmel brachten Filmstudio und Regisseur zunächst eine Version ins Kino, die niemanden überzeugte und erst in der später für das Heimkino veröffentlichen Lang-Version, die fast 1 Stunde Handlung hinzufügte, begeistern konnte. Die erste Fassung von Exodus brachte es auch circa 4,5 Stunden, die hervorragend funktioniert haben soll. Letztlich schnitt er dennoch 2 Stunden heraus – zu viel.

Exodus ist ein Bibelfilm ohne Bibel, ein Christen-Film für Nicht-Christen, aber ein Epos ist er ebenso wenig wie ein überzeugender, mitreißender Film. Man kann sich fragen, warum er nicht einfach gleich die Filme gedreht hat, auf die die Filmwelt wartet, anstatt wie in diesem Fall 140 Millionen Dollar für einen Film zu verbraten, den niemand wollte und letztlich auch niemand will.

So bleibt wie in letzter Zeit leider so häufig bei Scott zu hoffen, dass eine Langfassung für das Heimkino erscheint und das wieder gut macht, was im Kino so misslungen ist.

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