Gedankenzirkus

Filmkritik Die Tribute von Panem – Mockingjay 1

Filmkritik Die Tribute von Panem - Mockingjay 1Die Spiele sind zu Ende, der Krieg kann beginnen: So könnte der Claim von Die Tribute von Panem: Mockinjay 1 heißen, der als erzählerisch und inhaltlich bester und reifster Teil das Ende der Filmreihe einläutet. Dabei muss man ausdrücklich die Entscheidung loben, die Verfilmung des letzten Buches in 2 Filme zu teilen. So hat nicht nur das Geschehen Raum, sondern entfaltet Wirkung und Charaktertiefe. Die Tribute von Panem-Reihe wird mit diesem Teil zu einer beklemmenden wie erschreckend aktuellen Vision einer Welt, in der Kriege und Rebellionen vor allem mit Propaganda geschlagen werden – gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen Weltlage und der permanenten Instrumentalisierung durch PR, der in unserer Welt gar die schlausten und gewieftesten auf den Leim gehen, ein Zeitbezug, wie er aktueller kaum sein könnte.

Der Abschlussband der Panem-Buchvorlage bietet so viel Action und Kampf, dass die Verfilmung in einem einzigen Teil zu einer einzigen Schlacht geworden wäre, in der es kaum Zeitbezüge und Fragestellungen hätte geben können. Die bei der Filmreihe sonst üblichen 2,5 Stunden wären dem Roman kaum gerecht geworden, und ein Film jenseits der 3 Stunden ist in diesem Kontext kaum vermittelbar. So sehr die Tatsache in der Kritik steht, die Aufteilung auf 2 Filme sei lediglich schnöde Geldmacherei, so falsch und unangebracht ist diese Kritik. Ohnehin ist es erstaunlich, wie sehr sich die öffentliche Meinung drehen kann: Seit Jahrzehnten stehen Literaturverfilmungen in dem schlechten Licht, die Vorlagen für eine Filmadaption grausig zu verkürzen, zu verfälschen, zu verstümmeln. Geht man nun den anderen Weg, wird reine Geldgier unterstellt. Daher noch einmal: Die Aufteilung tut der Geschichte so gut wie dem Film, auch wenn dieser logischerweise an einer dramatisch bedeutsamen Stelle einfach aufhört.
Dabei ist Mockingjay 1 äußerst ernst und pessimistisch, und auch in der Darstellung emanzipiert sich die Reihe endgültig von einem Jugend-Fanchise. Die starken, düsteren Szenen, die Terror, Tod und Unterdrückung zeigen, sind für einen Hollywood-Blockbuster teilweise fast schon starker Tobak.

Auch die Besetzung ist mit nunmehr zwei Oscarpreisträgern hochkarätig: Katniss-Darstellerin Jennifer Lawrence sowie Philip Seymour-Hoffman in seiner letzten Rolle. Auch die mehrfach nominierte Julienne Moore ist endlich wieder in einer größeren Rolle zu sehen. Beeindruckend indes die Leistunf von Peeta-Melark-Darsteller Josh Hutcherson, der in seinen wenigen, aber entscheidenden Auftritten eine großartige Leistung abliefert. Gut möglich, dass mit ihm ein Talent heranreift, von dem man noch viel sehen wird.
Regisseuer Francis Lawrence, seit I Am Legend mit Düsternis vertraut, macht in Mockingyjay keine Kompromisse und macht mit seiner Arbeit Lust auf den letzten Teil, der, der Buchvorlage folgend, in Kampf, Chaos und Krieg münden wird. Ein Finale, auf das man gespannt sein sollte, denn eine bessere Vorarbeit als diesen Film konnte man nicht abliefern.

4042
Artikel bewerten
Thanks!
An error occurred!
Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.