Gedankenzirkus

Filmkritik Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere

Filmkritik Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere - www.gedankenzirkus.deEndlich, wir haben es endlich hinter uns: Die aufgeblasene Hobbit-Filmtrilogie, die vor allem peinliches Produkt der Eitelkeit eines Regisseurs ist, der jedes Maß verloren hat. Peter Jackson hat mit der Herr der Ringe-Trilogie ganz sicher Filmgeschichte geschrieben. Mit Der Hobbit allerdings macht er sich lächerlich damit, um jeden Preis das Wort Kino-Epos zu seinen Gunsten neu definieren zu wollen, was einer Anmaßung gleichkommt. Der letzte Teil dieses bombastisch aufgeblasenen Unsinns ist nun der unglaublich schlecht erzählte Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere, in dem es 144 Minuten lang um etwas geht, was in anderen Filmen in 44 Minuten beeindruckend abgehandelt worden wäre. Jede Szene ist dermaßen bierernst und jedes gesprochene Wort so extrem staatstragend, dass es lächerlich ist. Verblüffend auch die teilweise erschreckend schlechten Special-Effects, doch dazu später mehr.

Besonders fatal ist, dass Die Schlacht der fünf Heere keinerlei Erzählrhythmus mehr hat. Kein Wunder, gibt es doch im Grunde in diesem Finale nichts mehr zu erzählen, sondern zu zeigen.
Zu sehr spult der selbstverliebte Peter Jackson, der sich an seiner eigenen Kunstfertigkeit berauscht, sein übliches Programm bis zum Erbrechen ab: Kamerafahrten – immer wieder Kamerafahrten. Bloß Dynamik um jeden Preis. Da wirbelt die Kamera um eine einzelne Person, die einfach gar nichts anderes tut als aufgeblähten Unsinn zu reden, da fliegen die Kameras immer und immer wieder über große, riesengroße oder gleich bombastische Panoramen, unter denen so gut wie keine Einstellung im Film auskommt – für Jackson ist dies episch, für den Rest der Welt dummes Zeug und Blendwerk.
Szene reiht sich an Szene, ohne dass wirkliches Interesse aufkommen kann, zu lustlos wirkt alles aneinandergeschludert. Wer da zeitweise mit wem gegen wen an unterschiedlichen Schauplätzen kämpft, fragt man sich teilnahmslos überhaupt nicht. Wir haben in den fünf vorherigen Teilen aus der Mittelerde-Welt schon genug musiktösende, von Kameraachterbahnfahrten begleitetes Geprügel, Gehüpfe, Gerenne und Geschrei erlebt, dass man es hier nur noch hinnimmt. Außerdem sind die aneinangerpappten Erzählstränge auch völlig egal. Wie so ziemlich alles in diesem Film.

Macht das monsterhaft Epische einmal eine Pause im Gedröhn, erleidet der Zuschauer Monologe und Dialoge, die vor Getragenheit triefen, als wolle mit jeder Zeile ins Kino gerammt werden „So sehet und höret, hier geschieht wahrhaft Großes!“
Man könnte meinen, die Drehbuchautoren waren in der heiligen Mission unterwegs, jedes noch so getragene oder bedeutende Zitat aller Dramen der Menschheitsgeschichte maßlos zu übertreffen – dumm nur, dass ihnen dazu die Klasse fehlt. So kommt es vor, als pinkele ein übereifriger Schüler beharrlich so lange an die Statuen der Großen, bis diese sich bitteschön auflösen.

Selbst die Musik ist des Guten zu viel. Wo Howard Shore mit der Herr der Ringe-Trilogie völlig zu Recht einen Oscar für eine Filmmusik gewann, die ein Meilenstein wurde, versinkt der Score dieser Trilogie und ganz besonders in Die Schlacht der fünf Heere in brüllenden Brei, der möglichst triumphal das erzählerische Nichts aufwerten soll, es aber nur noch weiter in den Abgrund reißt.
Jackson dabei zuzusehen, wie er sich in seinen Selbstzitaten suhlt, ist geradezu schmerzhaft. Zwar waren schon Teil 1 und 2 seelenloses Ausschlachten einer literarischen Legende, doch immerhin war der 2. Teil ein erheblich besserer Film als der breiige Auftakt.
Die Schlacht der fünf Heere jedoch zeigt als finaler dritter Teil endgültig, was so anders ist an dem Hobbit zum Herrn der Ringe: Jackson hatte damals noch den Anspruch, eine möglichst getreue Filmadaption einer ganzen Fantasy-Welt zu erschaffen – und bemühte sich dazu aus erzählerischen Gründen sämtlicher technischer Mitteln: So etwas nennt man großes Hollywood, so erschafft man Meisterwerke, die die Herr der Ringe-Trilogie zweifellos ist.
Der Hobbit jedoch muss nur noch dazu herhalten, um sich von einem technikverliebten Regisseur schamlos vergewaltigen zu lassen, um dessen eigene Großartigkeit mit Getöse und Spezialeffekten zu untermauen. Geschmacklos ist das, und im Grunde hätte Jackson niemals den Hobbit in seine Finger bekommen dürfen.
Nein, Die Schlacht der fünf Heere ist kein Film, es ist Jacksons ultimativer Orgasmus auf sich selbst. Er ist Zeugnis einer Selbstüberschätzung und der Respektlosigkeit vor Vorlagen.
Dieser mies erzählte Mist reiht sich nahtlos ein in die Reihe des brachialen Filmschunds dieses Jahres wie Godzilla und Transformers: Ära des Untergangs, der das Konzept des dummen Franchises auf die Spitze treibt. Immerhin steht Jackson nun gleichberechtigt neben anderen Regie-Egomanen wie Michael Bay, die lange Laufzeit mit Erzählung und Relevanz verwechseln.

Ganz nebenbei verblüfft Die Schlacht der fünf Heere mit streckenweise erbärmlichen Spezialeffekten, die man B- oder C-Movies zutrauen würde. Wenn anfangs Seestadt vom Drachen Smaug in Schutt und Asche gelegt wird, muss man sich die Augen reiben: Wohl noch nie gab es so schlecht animiertes Feuer in einem Film zu sehen. Als oranges Geflacker in Zeichentrickfilmen wäre es noch zu verzeihen gewesen, aber in einem Film mit einem Budget jenseits der 200 Millionen Dollar?
Immer wieder muss man zusammenzucken angesichts der stümperhaften Umsetzung, wenn beispielsweise wer auch immer auf was auch immer über was für Felsen auch immer reitet – fast denkt man da an Ray Harryhausen und seine putzige Stop-Motion-Technik.

Doch es kommt noch schlimmer. Jackson übertreibt es wie eigentlich immer bei seinen Kampfszenen dermaßen, dass man ständig sein Gesicht in den Händen vergraben möchte. Er setzt auf dümmste Zufälle, die überhaupt keinen Spaß machen. Da fallen Türme in letzter Sekunde so um, dass sie Brücken über Täler bilden, da fallen Steine so aus einer Mauer, dass sie als Treppe dienen, um nicht in den Abgrund zu fallen, da wird immer in letzter Sekunde durch den allerdümmsten Zufall jemand erstochen, zermatscht, erschlagen – diese auf die Spitze getriebenen Kindereien sind nicht einmal lustig oder überraschend, was ihnen wenigstens noch einen Sinn gegeben hätte.

Immerhin muss man Jackson zugute halten, ein grandioser Logistiker zu sein. Er stemmt mit seinen Trilogien die größten Aufgaben, die Hollywood derzeit zu bieten hat und schafft es eindrucksvoll, Schlachtengetümmel so darzustellen, dass man ihm folgen kann.
Beeindruckend sind zudem Ausstattung und Kostüme. Hier wird eine bis ins kleinste Detail liebevoll und schier großartig ausgearbeitete Welt geboten, die in ihrem Reichtum geradezu ungeheuerlich ist. Sobald die Effekte in den Hintergrund treten, atmet der Film Atmosphäre, und man kann sich nur vorstellen, welch enormer Aufwand und welche Leidenschaft bei der phänomenalen Ausstattung aufgewendet werden mussten. Hier kann sich das Auge nicht sattsehen an Einzelheiten, und hier zeigt der Film endlich einmal das, was die Herr der Ringe-Trilogie so unnachahmlich gemacht hat: Authentizität und Lebendigkeit.

Was bleibt?
Wie bei Jackson üblich, wurde eine noch längere Extended-Version fürs Heimkino angekündigt, wie üblich schon vor Kinostart. Wie bei Jackson üblich, wird diese für maximalen Gewinn erst in einem Jahr veröffentlicht, und damit mehr als ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung der Kinoversion.
Diese Extended-Versionen waren schon immer die besseren Fassungen. Zwar scheint das widersprüchlich angesichts der Kritik an der Langweiligkeit und Plattgewalztheit der Kino-Fassungen, doch tatsächlich sind die langen Versionen homogener, die Figuren bekommen auch einmal Raum, statt einfach nur mit heiligem Ernst wolkenhoch aufgetürmten Wortmüll ins Kino zu stauben.
So ist dieser missratene Abschluss in der Langfassung ganz sicher die bessere Wahl. Ganze 25 Minuten wird er länger sein – wertvolle Minuten, die den stümperhaft zusammengetackerten Szenen der Kinofassung sicher gut tun werden.
Ein guter Film wird aber auch dann nicht draus.

Es wäre allen damit gedient, wenn Peter Jackson endlich mal eine 10-jährige Auszeit nähme oder am besten einfach nie wieder einen Film macht – am besten gemeinsam mit Michael Bay. 
Und es ist allen zu wünschen, dass niemals auch nur eine weitere Seite aus Tolkiens Fantasy-Welt verfilmt wird, denn es wird in einem Ausschlachten enden wir jetzt.
Schade drum, machte Teil 2 Smaugs Einöde wirklich Lust auf die Trilogie. So endet alles als ein mit Schmackes gegen die Wand gefahrener Trümmerhaufen.

4052
Artikel bewerten
Thanks!
An error occurred!
Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.